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Sonderausstellung DAS GEWAND

Der Ausstellungskatalog ist derzeit noch in Bearbeitung und wird im Laufe des Jahres 2013 erscheinen.


Aus Anlass der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 präsentiert das Museum am Dom Trier die Sonderausstellung:


Das Gewand – 500 Jahre Wallfahrt zum Heiligen Rock nach Trier


23. März bis 19. August 2012


Heilig-Rock-Wallfahrt Im Jahre 1512 wurde der Heilige Rock aus dem Hochaltar des Trierer Domes, wo er seit der Weihe des Altares 1196 deponiert war, erhoben und zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Zum 500. Jahrestag dieser Erhebung hat der Bischof von Trier erneut zu einer Wallfahrt eingeladen. Unter dem Leitspruch „und führe zusammen, was getrennt ist“ sind vom 13. April bis 13. Mai Pilgerinnen und Pilger eingeladen, sich auf den Weg zu machen zu Christus, der im Bild der Heiligen Rockes das Ziel der Wallfahrt ist. Das Museum am Dom nimmt dies zum Anlass, aus unterschiedlichen Perspektiven auf dieses halbe Jahrtausend Wallfahrts- und Kirchengeschichte zu blicken und den tiefgreifenden Wandel von der spätmittelalterlichen Reliquienverehrung hin zu einer ökumenisch ausgerichteten Christuswallfahrt sichtbar zu machen.


Maike Petersen hat sich die Ausstellung angeschaut und berichtet darüber...


Burgkmair, Weisung des Heiligen Rockes (München, Staatl. Graphische Sammlung)Die Ausstellung beginnt gemäß ihrem ANLASS mit dem Jahr 1512, als Trier im Mittelpunkt des europäischen Interesses stand: Kaiser Maximilian I. hatte einen Reichstag nach Trier einberufen und ließ auf sein Drängen hin den Hochaltar des Trierer Domes öffnen und den Heiligen Rock erheben. Wie groß das publizistische Echo innerhalb kürzester Zeit war, zeigen die vielen damals erschienenen Heiltumsschriften. Sie sind heute genauso selten wie die damals erhältlichen Pilgerzeichen, die in großer Stückzahl hergestellt und von den Pilgern an der Kleidung als Erkennungszeichen angenäht wurden.


Matthias Jung, Pilgerschlange bei der Wallfahrt 1996Ungefähr 20 Heilig-Rock-WALLFAHRTEN haben - je nach Zählung - seither stattgefunden. Dabei gab es nur in der Anfangszeit einen Sieben-Jahres-Rhythmus, danach wurde die Wallfahrt in unregelmäßigen Abständen, oft zu besonderen Anlässen oder Jubiläen, ausgerufen. Zeugnisse der einzelnen Wallfahrten wie bildliche Darstellungen, Andenken, Wallfahrtsfahnen, aber auch von Anfang an kritische bis ablehnende Äußerungen werden in einem weiteren Kapitel vorgestellt und ergeben für jedes Wallfahrtsjahr ein eigenes charakteristisches Bild. Die Wallfahrten spiegeln die jeweilige gesellschaftliche und kirchliche Situation und geraten wie beispielsweise die Wallfahrt im Jahr 1933 in den Sog der politischen Entwicklung.

HAP Grieshaber, 10. Station des Kreuzweges (Museum am Dom)Aber nach diesem Blick auf die Geschichte stellt sich die Frage: wo kommt der Heilige Rock überhaupt her? Wo war er vor 1512 und um was für ein Gewand handelt es sich?
Grundlage aller ÜBERLIEFERUNG ist der Passus im Johannesevangelium, in dem die Soldaten das Hab und Gut des zum Tode verurteilten Jesus von Nazareth unter sich aufteilen. Das Untergewand Christi wird dabei aufgrund seiner besonderen Webart - es sei von herab oben durchgewebt und ohne Naht - nicht zerteilt, sondern durch Losen einem Soldaten zugeteilt. Danach verliert sich jede historische Spur des Gewandes. In der Bildenden Kunst wird der Heilige Rock als Gewand mit langen Ärmeln sowohl in Zusammenhang mit der Kreuzigung als auch bei den sogenannten Leidenswerkzeugen dargestellt.
Erst zu Anfang des 12. Jahrhunderts will man in Trier plötzlich wissen, dass die Tunika Christi im 4. Jahrhundert durch die hl. Helena nach Trier gebracht und dem Trierer Bischof Agritius geschenkt worden sei. 1196 wird eine als Gewand Christi bezeichnete Tuchreliquie im Hochaltar des Domes deponiert.

Inspektion des Heiligen Rockes 2011 (F: E. Mettlach)Einerseits ist die Indienstnahme dieser Helena-Legende für die Hegemonialbestrebungen Triers im 12 Jahrhundert leicht zu durchschauen, andererseits bleibt die Frage, wo kommt der GEGENSTAND der Verehrung, die Tunika Christi, Anfang des 12. Jahrhunderts her, wie sah sie 1196 aus und wie wurde sie nach 1512 verändert? Der derzeitige Forschungsstand geht davon aus, dass wir beim Anblick des Heiligen Rockes nicht die eigentliche Reliquie, sondern eine Hülle, also ein textiles Reliquiar sehen, in dem die eigentliche Reliquie aufbewahrt ist. Wann diese Hülle geschaffen wurde, ist noch nicht endgültig geklärt. Jedenfalls wurden seit 1512 immer wieder Maßnahmen zum Erhalt des vergänglichen Textils ergriffen, die durch jede Ausstellung wieder in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Virtuelles Modell des barocken Domes (Architectura Virtualis, Darmstadt)Denn seit 1512 bis einschließlich 1933 wurde der Heilige Rock jeweils frei hängend auf einer durch die Ärmel gezogenen Stange an unterschiedlichen Stellen gezeigt: im 16 und 17. Jahrhundert auf einem eigens errichteten Balkon an der Westfassade des Domes und ab 1810 in einer eigenen Vitrine im Ostchor des Domes. 1959 wurde er zwischen zwei Glasplatten geklemmt und 1996 wurde er erstmals liegend in einer geschlossenen Vitrine gezeigt. Den künstlerischen Höhepunkt der INSZENIERUNG des Heiligen Rockes bildete die barocke Konzeption mit einer eigenen Kapelle am Scheitel des Ostchores. Ein triumphbogenartiger Säulen- und Figurenaufbau im Innern des Ostchores mit einer wolkenumkränzten Durchblicksöffnung dient als Raum- und Blickverbindung zwischen Chor und Kapelle und eröffnete zahlreiche Möglichkeiten der Inszenierung des Heiligen Rockes. Dieser befand sich in einem monumentalen silbernen Reliquienschrank an der Rückwand der Kapelle und bildete den Zielpunkt der Durchblicksöffnung mit verschiedenen Stufen des Zeigens und Verbergens des Christus-Gewandes. Das „Tragische“ dieser einzigartigen künstlerischen Konzeption war die Tatsache, dass sie nie tatsächlich in Funktion trat: aufgrund der unsicheren politischen Lage wurde der Heilige Rock nie im Silberschrein aufbewahrt oder gezeigt. Mit Hilfe einer  Computeranimation, die  eigens für die Ausstellung erstellt wurde, kann der Besucher diese barocke Inszenierung wieder nacherleben.
Solche „Ent-rückungen“ gab es 1996 und wird es auch bei der diesjährigen Wallfahrt nicht geben. Der Heilige Rock wird mitten unter den Gläubigen in der Mittelachse des Domes unmittelbar vor der Altarinsel gezeigt werden.

R. Clemens, this is not the holy robe, 1990Was von einer Wallfahrt bleibt, sind neben den undinglichen Erlebnissen und Erfahrungen natürlich die dinglichen Erinnerungsstücke, die ANDENKEN oder auch nur Mitbringsel von einer solchen Fahrt. Besonderen Wert hatten in früheren Jahrhunderten die Andenken, die am Heiligen Rock angerührt worden waren. Wenig Erfolg hatten die Bemühungen bei den Wallfahrten 1933 und 1959, die Herstellung und Verbreitung von „religiösem Kitsch“ durch eine Begutachtung und Zertifizierung von Andenken einzudämmen. Eine durchgehende Erfahrung der letzten Wallfahrten war jedenfalls die Tatsache, dass die Produzenten von Andenkenartikeln angesichts sicher geglaubter Profite oft auf ihren Waren sitzen blieben.



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